Wir befinden uns...
..im Jahre 1987. Ganz Karlsruhe möchte die Stadtbahntrasse nach Bretten entlang der Bundesstaße B10... Ganz Karlsruhe? Nein! Eine von unbeugsamen Einwohnern bevölkerte Verkehrsinsel fängt an, Widerstand zu leisten.
Einst war die Untermühlsiedlung ein attraktives, familienfreundliches Wohngebiet. Seit der Abtrennung von Durlach durch den Bau der Umgehungsstraße B10, wurde sie aber zunehmend zum vergessenen Stadtteil.
Von aussen lärmte der Verkehr von Autobahn, Durlacher Allee, B10 und der Zugverkehr am Durlacher Bahnhof. Mittendurch knatterten Autos und Motorräder, die den Schleichweg über die alte Autobahnbrücke zum Einkaufszentrum Wertkauf nutzten. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, landeten auch noch Hubschrauber bei der Autobahnpolizei.
Die geplante S-Bahn-Trassenführung brachte das Fass endgültig zum Überlaufen: Viele Untermühler protestierten, setzten sich zusammen und formulierten Einsprüche gegen den Bau der Stadtbahnrampe. Schließlich wurde es der Stadt Karlsruhe zu bunt. Statt sich mit zahlreichen einzelnen Einsprüchen herumärgern zu müssen, regte sie an, ein Gremium zu bilden, mit welchem sie verhandeln könne. Ein erster kleiner Achtungserfolg war erreicht! Von da an fochten Robert Emig und Ruth Leopold die Kämpfe um die Stadtbahntrasse mit der Verwaltung aus, stellvertretend für alle Untermühler.
Bei ihren Zusammenkünften hatten die kommunalpolitisch interessierten Bürger aber nicht nur Einsprüche bezüglich der Trassenführung ausgearbeitet, sondern viele weitere Ideen zur Verbesserung der Wohnsituation in der Untermühlsiedlung zusammengetragen. Für diese wollten sie auch künftig gemeinsam gegenüber der Stadt eintreten und beschlossen im Frühjahr 1988, einen Verein zu gründen. Gesagt, getan: Alle Haushalte der Untermühlsiedlung wurden für Montag, den 8. März 1988, um 19.00 Uhr in die Bahnhofsgaststätte Durlach zur Gründungsversammlung eingeladen. Von den 50 anwesenden Bürger:innen entschlossen sich 40 zur Mitwirkung.
Zum 1.Vorsitzenden wurde Robert Emig gewählt, 2.Vorsitzende wurde Ruth Leopold und Kassier Rudolf Poleschensky, Schriftführerin Rebekka Leopold, 1.Beisitzer Karl-Heinz Butterbrodt, 2.Beisitzerin Ursula Hertweck und 3.Beisitzerin Inge Mutavschitsch. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 1 DM im Monat festgelegt. Offiziell eingetragen und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt, wurde der neue Verein am 8. Juli 1988 vom Amtsgericht Durlach unter Nr. VR 309.
Wer glaubt, die Geschichte wäre hiermit am Ende, täuscht. Denn nach den tapferen Untermühlern erhoben sich auch die Dornwäldler zum Protest:...
Fortsetzung folgt, wir schreiben die weitere Geschichte erst noch, aber das Ende steht schon fest:
Und so bieten die beiden Verkehrsinseln Untermühlsiedlung und Dornwaldsiedlung seit dem Jahr 2010 der Stadt Karlsruhe gemeinsam die Stirn.
(Autorin: Zey)